Blower-Door

(Luftdurchlässigkeitsmessungen mit der Differenzdruck-Methode)


Bisher gab es in der Schweiz keine Organisation für BlowerDoor-Dienstleister und Geräteanbieter, in welcher ein aktiver Erfahrungsaustausch stattfinden konnte.

Da die Thermografie bei BlowerDoor-Prüfungen ein ideales Hilfsmittel sein kann (Nachweis von Leckstellen in der Gebäudehülle), ist der Thermografie Verband die geeignete Institution für diese Gruppierung. Dies auch deshalb, weil eine Luftdurchlässigkeitsmessung – gleich wie die Gebäudethermografie – ein Instrument für die zerstörungsfreie Qualitätskontrolle am Bau oder die Zustandserfassung ist. Für MINERGIE-P, MINERGIE-A und Passivhaus-Gebäude sind solche Messungen für die Labelerteilung ja zwingend notwendig.
Mit dem Workshop vom 23.09.2010 wurde die BlowerDoor-Gruppe im Thermografie Verband aktiviert und es laufen seither verschiedene Aktivitäten und Projekte.

 
Wesentliche Dokumente für Luftdurchlässigkeit:
international:    ISO 9972 (gültig seit 2.2016 als SIA 180.206)
                        EN 13829 (bei SIA zurückgezogen seit 31.1.2016)
national:           SIA 180 (Ausgabe 2014 mit Korrigenda von 2015: 520 180 - C1)

weitere:           Richtlinie für Luftdurchlässigkeitsmessungen (RILUMI, 3/2011, MINERGIE)
                       MINERGIE Checkliste Luftdichtheit

                       Praxistest Luftdichtigkeits-Messungenbei Minergie-P-Bauten (11/2011, BFE)

                       Luftdurchlässigkeitsmessung: Momentaufnahme oder langfristiges Qualitätsmerkmal? (03/2013,BFE)
 
Problembereich Nicht-Wohnbauten

Für MINERGIE-P, MINERGIE-A und Passivhaus-Gebäude sind Luftdurchlässigkeitsprüfungen zwingend, denn nur wer einen Grenzwert erfüllt/unterschreitet bekommt das definitive Zertifikat. Da die Messmethodik und die Grenzwerte in den bisherigen Normen EN 13829 (2000) und SIA 180 (1999) nicht genügend „MINERGIE-tauglich“ waren, wurde im Januar 2007 vom Verein MINERGIE die „Richtlinie für Luftdurchlässigkeitsmessungen bei MINERGIE-P und MINERGIE-Bauten„ (RILUMI) veröffentlicht.
Seit 2009 sind MINERGIE-Labels auch für und die Gebäudekategorien Gewerbe-, Industrie- und Lagergebäude erhältlich und es ist ein erhöhter Luftdurchlässigkeits-Grenzwert für Sanierungen/Modernisierungen zugelassen. Die erwähnte RILUMI, in der bisherigen Form auf Wohnbauten ausgerichtet, kann aber bei grossen und komplizierten Bauten keine Antworten mehr geben, wie die Messungen im Detail durchzuführen sind.
Gibt es zu viel Spielraum, und ist das Vorgehen nicht genau definiert, ist es natürlich gefährlich, mit Grenzwerten zu operieren. Insbesondere dann, wenn ein Prestigebau, bei dem Jahre zum Voraus das MINERGIE-P Label angepriesen wird, die Grenzwerte nicht erreicht.
Um den grössten Problemen vorzubeugen, wurde deshalb von der Zertifizierungsstelle angeordnet, dass beim Bau von grossen und komplexen Gebäuden schon mit den MINERGIE-Anträgen (möglichst schon im Planungsstadium) ein Luftdurchlässigkeits-Messkonzept abzugeben ist, das genehmigt werden muss. Dies gilt auch für Messungen in grossen MFH und Wohnsiedlungen.
Trotzdem besteht aber dringender Informationsbedarf, wie mess- und verfahrenstechnisch mit komplexen, grossen Gebäuden umgegangen werden soll. Die Problematik ist seitens MINERGIE, Zertifizierungsstelle, SIA und theCH erkannt, aber es sind noch keine Mittel vorhanden, um hier raschmöglichst praxistaugliche Lösungen anzubieten (z.B. eine neue Messrichtlinie für Nicht-Wohnbauten).
Immerhin liegt aber mittlerweile der Schlussbericht eines BFE-Forschungsprojekts vor, das auch vom theCH unterstützt wurde („ Praxistest Luftdichtigkeits-Messungen bei Minergie-P®-Bauten). Darin werden einige der anstehenden Fragen aufgegriffen und die herrschenden Probleme bei Nicht-Wohnbauten genauer beschrieben.
Mit der Gründung der theCH-BlowerDoor Gruppe hat der Verein MINERGIE die Adressliste der BlowerDoor-Anbieter aufgegeben und verweist auf die Seiten unseres Verbandes. Dies scheint vernünftig und entbindet MINERGIE auch einer gewissen Verantwortung für die Messpersonen. Als Verband können wir mit unserer Struktur die Adresslisten-Funktion zu Gunsten der suchenden Kunden problemlos übernehmen. Dazu bieten wir auch fachtechnische Weiterbildung an (Workshops, Newsletter etc.), können aber bezüglich Qualität der Mess-Dienstleistungen auch keine Garantie für die Mitglieder übernehmen.
Über Messungen in Nicht-Wohnbauten wird momentan viel diskutiert, national und international. Es ist auch vorgesehen, dass die Hochschule Luzern mit neuen Projekten  weiter auf die Problematik eingeht. Fakt ist aber, dass momentan noch laufend Nicht-Wohngebäude gemessen werden müssen und dass dafür die notwendigen Grundlagen eigentlich fehlen.
Wir empfehlen deshalb unseren Mitgliedern, sich schon bei der Offertstellung für die Messung von Nicht-Wohnbauten gut zu überlegen, welche Konsequenzen ein „nicht erfüllt“ haben kann. Gerade bei Prestigebauten ist dann die hartnäckige Hinterfragung der Messung (wer hat was, wie, warum mit welcher Ausbildung und Erfahrung gemessen) vorprogrammiert und schliesslich auch legitim.
Unabdingbare Voraussetzung für eine Messung sollte immer das von der Zertifizierungsstelle bewilligte, schriftliche, Messkonzept sein.
 

bct/01/2014